Boxen für Manager

Ring frei in der Chefetage

So manches Managementtraining mutet bizarr an. Bergsteigen, Zen-Meditation, Höhlenklettern, das gibt es alles schon, auch Wüstentouren, Segeltörns, Schlittenhunderennen oder Einkehr im Kloster. Nun also Boxen für Manager. Der Box-Sport ist für Entscheider eine Selbsterfahrung. Was kann der Manager vom Boxen lernen? „Boxen fordert die Disziplin, einen Schlag auf die Lippe zu bekommen, aber nicht aufgeben, Rücksicht nehmen, Zielstrebigkeit, an körperliche Grenzen gehen.“ Boxen ist die Metapher für den Alltagskampf im Sitzungssaal, als Urform aller Konflikte. Jeder boxt so, wie er psychisch gestrickt ist! Die Boxsituation sei eine sehr emotionale, Sie müssen spontan reagieren, können nicht lügen und keine Rollen spielen. Ein Coaching-Teilnehmer begriff plötzlich, dass er ein Verteidiger (Rechtsanwalt) ist - aber nie angreift, im Ring wie im Job. Ein anderer, ein Banker, schlug einfach drauf los, nahm seinen Gegner gar nicht wahr, stellte sich nicht auf dessen Schläge ein. Ähnlich ging er mit seinen Mitarbeitern um, machte am liebsten alles platt. Heute versucht er, besser auf Kollegen einzugehen. Auch diese Erfahrungen nimmt der Manager mit in seinen Alltag. Weil die endgültigste aller Niederlagen gar nicht so schlimm war, fürchtete er sich fortan weniger vor beruflichen Tiefschlägen. „Die Werte des Boxens überschneiden sich mit Werten, die für Manager wichtig sind“. Die Boxerwerte, die so wertvoll sind in den Chefetagen: „Durchsetzungsvermögen, Mut, Selbstvertrauen, Entschlossenheit, Disziplin, Siegeswillen, zu sich stehen, präzise sein.“ „Wenn Sie Körper und Geist zusammenführen, erleben Sie einen neuen Erfahrungshorizont“. Sie werden lernen, in Konfliktsituationen mental stark zu sein, die Nerven zu behalten, ruhig zu bleiben, sich wieder der Argumente zu erinnern, nicht nervös zu werden. Zusammen mit dem Anzug legen Sie in der Umkleide auch die Manageretikette ab. "Wettbewerbssituationen, die im Job eher verdeckt ablaufen, treten beim Zweikampf offen zutage: Dafür braucht es Mut". Zwar muss niemand Angst haben, im nächsten Meeting mit einem blauen Auge aufzutauchen - Schutzausrüstung ist Pflicht - doch die Persönlichkeit ist schon gefordert: Wo sonst darf eine Führungskraft einem Konkurrenten eine verpassen? "Boxen erfordert Eigenschaften, die auch ein Manager haben muss, man muss taktieren können, technische Grundlagen haben." Auch deshalb haben Deutschlands Manager Boxen für sich entdeckt und schwärmen von den Parallelen zwischen Sport und Job: Durchsetzungsvermögen, höchste Konzentration, Dynamik und Ausdauer. Vorbei die Zeiten, in denen Boxen als primitiv galt. Zum Boxen gehört schließlich eine gewisse Cleverness dazu: Man muss immer wieder Einfälle haben, um Schläge zu vermeiden. Wie im täglichen Managerleben.